HOSTIVICE – Dies ist die Geschichte, wie Soldaten aus der Kaserne das Munitionslager ausplünderten und wie dies durch eine Sickergrubenexplosion im März 1921 ans Licht kam. Doch zunächst einige einleitende Worte: Prag beherbergte einst sein Pulvermagazin im Lustschloss Hvězda, was sich schrittweise als erhebliches Risiko erwies; in den 1870er Jahren wurde daher beschlossen, es zu verlegen. Als geeigneter Standort wurde ein dünn besiedeltes Gebiet nahe der Straße von Kněževes nach Hostivice gewählt, unweit der als Dlouhá míle (Lange Meile) bekannten Kaiserstraße. Heute befindet sich an dieser Stelle der Prager Flughafen — wenngleich das nicht ganz präzise ist; die Details folgen in der nächsten Fortsetzung. Doch zurück zum Pulvermagazin: Auf der Karte jener Zeit (3. Militärische Landesaufnahme, 1877–1880) sind zwei Pulvermagazingebäude zu sehen (Pulver M. No. 1 und No. 2), darunter eingezeichnet die Kaserne.

Was geschah also im Jahr 1921? Am 16. März 1921 um 14:30 Uhr explodierte die Sickergrube, in die üblicherweise Abfälle aus der Sprengstoffproduktion entsorgt wurden. Da dies als gefährlich bekannt war, wurde die Grube ständig mit Wasser geflutet — doch eines Tages trocknete sie aus, und ein Soldat warf offenbar eine Zigarettenkippe hinein. Die Folge war eine Explosion, bei der sieben Soldaten verletzt wurden und die auch Sachschäden verursachte.

Die Untersuchungskommission, die am Ort eintraf, stellte unter anderem fest, dass im Pulvermagazin Munition systematisch gestohlen worden war. Das Wochenblatt Čech kommentierte dies treffend:

„Das gesamte dortige Munitionslager wurde von den Soldaten, die es bewachen sollten, in kurzer Zeit ausgeraubt und verhökert. Und als in Hostivice wie in einem leergefressenen Laden nichts mehr übrig war, fing plötzlich die Sickergrube für Sprengstoffabfälle Feuer und es kam zur Explosion. Da beide Meldungen — über den Diebstahl und die Explosion — fast gleichzeitig an die Öffentlichkeit gelangten, lässt sich ein gewisser Zusammenhang zwischen ihnen nicht ausschließen. Jedem Laien drängt sich sofort die Frage auf, ob die Explosion nicht genau zur rechten Zeit kam, um die Spuren zu verwischen und die Nachforschungen nach dem verschwundenen Kriegsmaterial zu vereiteln. Nur bleibt es erstaunlich, wie solch ein massenhafter Diebstahl vor den Augen eines Offiziers geschehen konnte und was das für eine Kontrolle war, die nicht früher darauf kam, bevor fast alles gestohlen war…"

–Fortsetzung folgt–