SUCHÝ MLÝN (UNHOŠŤ) – In der Geschichte der Emanzipation in den böhmischen Ländern spielt Ludmila Bozděchová — Mitglied von Náprsteks Amerikanischem Damenklub — eine bedeutende Rolle als erste Postbeamtin in Österreich-Ungarn. Frauen war die Arbeit in Postämtern damals verboten, und genau das beschloss Ludmila zu ändern.
Sie schrieb einen Brief an den Kaiser:
„Meine Absicht ist, um eine Stelle beim K. K. Staatstelegrafen in Prag zu bitten, wofür ich laut den beigelegten Zeugnissen geeignet bin; das Ziel meiner Bestrebungen kann jedoch nur erreicht werden, wenn Eure kaiserliche und königliche Majestät allergnädigst auszusprechen geruhen, dass: ‚Frauen bei staatlichen Telegrafen und Postämtern als Beamtinnen zu beschäftigen erlaubt sei.'"
Anschließend erwirkte sie eine Audienz bei Kaiser Franz Joseph I. und legte ihm Statistiken vor, die belegten, dass die Monarchie mehr Frauen als Männer zählte und eine arme Frau ohne Mitgift keine Aussicht auf Erfolg hatte; der einzige Ausweg sei daher die Erwerbsarbeit.
Der Kaiser entsprach ihrer Bitte: Ab dem 1. Januar 1872 erlaubte er die Beschäftigung von Frauen in Postämtern, und Ludmila wurde damit die erste tschechische Postbeamtin und die erste Telegrafistin.
Welchen Zusammenhang hat das mit Unhošť und speziell mit dieser Ansichtskarte? Der Suchý Mlýn gehörte der Familie Bozděch — Ludmilas Onkel lebte dort. Ludmila schickte die Ansichtskarte nach Kalifornien und fügte Grüße von ihrem Sommeraufenthalt beim Onkel hinzu. Sie war damals etwa 60 Jahre alt und trug noch immer ihren Mädchennamen, da Telegrafistinnen wie auch Lehrerinnen im Zölibat zu leben hatten.
Ansichtskarte aus den Sammlungen des Muzeum Kladenska.